Bootstrapping: 5 Wege, um Dein Business für unter 1.000 Euro aufzubauen

Bootstrapping: 5 Wege, um Dein Business für unter 1.000 Euro aufzubauen

1126
9
TEILEN
bootstrapping

Thorsten KucklickDies ist ein Gastartikel von Thorsten Kucklick. Thorsten hat sein Startup MeinSpiel mit dem Bootstrapping-Ansatz aufgebaut und schreibt auf DigitalBetrieb über Bootstrapping, und Tools für virtuelle Unternehmen. Kürzlich hat er das Ebook “Das 1.000-Euro-Startup” herausgebracht, das du kostenlos downloaden kannst.

Enter Thorsten: Wer ein neues Projekt starten will, hat in vielen Fällen erstmal mit einem grundlegenden Finanzierungsproblem zu kämpfen: Ein großer Batzen an Startkosten steht scheinbar vor dir, der zum Beispiel für den Aufbau einer komplexen Webplattform nötig ist.

Doch vieles davon relativiert sich schnell, wenn du einmal die Möglichkeiten des Bootstrapping für dein Projekt durchspielst. Bootstrapping bedeutet, dass du dein Projekt ohne fremdes Kapital auf die Beine stellst, sondern mit begrenzten Mitteln und aus laufenden Erlösen.

In diesem Artikel zeige ich fünf Wege, mit denen du dein Business mit weniger als 1.000 Euro hochziehen kannst.

Lean-Startup-Methode anwenden

Hast Du erstmal eine gute Geschäftsidee gefunden, macht es umso mehr Spaß, die neue Idee in allen Richtungen auszuschmücken und richtig groß zu denken. Für eine Webplattform oder App fallen Dir plötzlich immer mehr Features ein, und auch hinsichtlich möglicher Marketingaktionen bieten sich laufend neue Chancen, die mit Volldampf genutzt werden wollen.

Dieses große Denken ist im Prinzip auch der richtige Weg. Bis zu Ende gedacht mündet das Ganze nur in einem erheblichen Finanzierungsbedarf, der doch eigentlich vermieden werden sollte. Was also tun?

Die vielen Ansätze hinsichtlich Features, Marketingaktionen etc. sollten jetzt keinesfalls über Bord geworfen werden. Schreibe sie Dir besser auf, und systematisiere sie – später kannst Du auf sie zurückgreifen. Jetzt geht es aber zunächst darum, überhaupt erstmal ein funktionsfähiges Produkt in den Markt zu bringen, um es dort zu testen und dann weiterzuentwickeln.

Diese Art von Produkt ist der Kern der Lean-Startup-Methode: Das sogenannte “minimal viable product”, also das minimal funktionsfähige Produkt. Damit es nicht ewig bei diesem Erstprodukt bleibt, basiert die Lean-Startup-Methode auf folgendem Kreislauf:

  1. Produkt (MVP) in den Markt bringen: Brich Dein Produkt auf das absolut notwendige herunter, was irgendwie – auch improvisiert – gelauncht werden kann.
  2. Feedback bekommen: Beobachte Deine User und Kunden. Hole Dir soviel Feedback wie möglich, und analysiere es.
  3. Produkt anpassen: Lass´ Deine Schlüsse aus den Beobachtungen und Feedbacks in die Weiterentwicklung einfließen.

Dann geht´s wieder von vorn los, bis das Produkt wirklich rund ist, Umsätze bringt und damit größer gemacht werden kann.

IT-Partner (temporär) beteiligen

Je größer eine potenzielle Investition, umso enger wird normalerweise auch die Zusammenarbeit mit bestimmten Partnern, an die die Investitionssumme oder Teile davon fließen. Das kann beispielsweise eine IT-Agentur sein, die für den Aufbau einer komplexen Web-Plattform zuständig ist.

Wenn Du es jetzt schaffst, den Partner mit ins Boot zu holen, ist eine richtige Investition möglicherweise gar nicht mehr erforderlich. Denn wenn der Partner auch an Dein Projekt glaubt, kannst Du ihn beteiligen. Es müssen ja nicht gleich Firmenanteile sein – das macht es komplizierter und administrativ auch teurer. Warum nicht eine zeitlich begrenzte Erlös- oder Gewinnbeteiligung?

So haben wir es mit unserem Startup unter anderem auch gemacht. Die Agentur-Jungs glaubten an unser Geschäftsmodell und waren daher bereit zu einem gewissen Teil mit ins Risiko zu gehen. Auf diesem Wege konnten wir die Kosten unter Kontrolle behalten, während sich die Programmierer nach dem Launch gleichzeitig mit uns über höhere Umsätze freuen können, an denen sie für einen festgelegten Zeitraum partizipieren.

Bootstrapping mit Software as a service (SAAS)

Dieser Weg bezieht sich auf eine bestimmte Art von Geschäftsmodellen, nämlich “SAAS”, Software as a service.

Das komfortable an funktionierenden SAAS-Modellen ist ein relativ stabiler Erlösstrom, der nach und nach anwächst. Denn ist ein Kunde erstmal gewonnen, bleibt er in der Regel für Monate oder Jahre bei der Stange und sorgt damit für regelmäßige und kalkulierbare Einnahmen.

Die Herausforderung bei SAAS-Modellen ist allerdings der erste Entwicklungsschritt. Es können schließlich erst Erlöse fließen, wenn du einen brauchbaren Service anbieten kannst. Per Bootstrapping ist dies also nicht ganz einfach. Aber wenn du selbst programmieren kannst, einen Programmierer im Team hast, oder, wie oben beschrieben, auf eine Partner-Lösung setzt, ist auch dies mit dem Bootstrapping-Ansatz ein gangbarer Weg.

Was ist bei dieser Art von Geschäftsmodell zu beachten?

  • Mit kleinem Funktionsumfang starten
  • Alles daran setzen, erste Kunden zu finden
  • Nach deren Bedürfnissen weiterentwickeln
  • Bestimmte Funktionen in der Anfangsphase improvisieren, und
  • wenn sie von den Usern angenommen werden, konventionell programmieren.

Die Macher vom Zeiterfassungstool mite und der CRM-Anbieter CentralStationCRM beispielsweise haben als deutschsprachige Vertreter das SAAS-Modell sehr erfolgreich per Bootstrapping umgesetzt.

Projektgeschäft zum Querfinanzieren

Das Projekt- beziehungsweise Agenturgeschäft basiert darauf, etwas anzubieten, das man selbst leistet oder andere Auftragnehmer ausliefern. Klassisches Beispiel ist die Webdesign-Agentur mit folgendem einfachen Ablaufschema:

  • Ein Kunde beauftragt das Design einer Website.
  • Die Website wird speziell für den Kunden erstellt.
  • Der Kunde bezahlt.

Auch diese Methode haben wir mit MeinSpiel eingesetzt, um mit den Erlösen den Aufbau unserer komplexeren Webplattform querzufinanzieren. Natürlich haben wir keine Websites gebaut, sondern für Firmenkunden die Produktion von großen Spiele-Auflagen organisiert.

Das Modell ist nicht gerade innovativ, aber es ist relativ einfach, und du kannst halt zügig erste Einnahmen verbuchen.

Praktisch ist zudem, dass Du die Leistung in der Regel erst nach einem konkreten Auftrag erbringst. Du musst also nichts großartig vorfinanzieren, sondern kannst dich voll auf das Gewinnen der ersten Aufträge konzentrieren. Eine ordentliche Website und entsprechendes Marketing sollten zum Start ausreichen, und das ist für wenige hundert Euro durchaus machbar.

Bootstrapping mit Handelsprodukten

Wenn es um Handel geht, denkt man vielleicht erstmal an große Lager und Logistik, die es aufzubauen gilt. Das muss jedoch nicht sein.

Heute kannst Du solche Leistungen als Komponenten Deines Geschäftsmodells bei Spezialisten einkaufen, also quasi outsourcen. Und es muss auch gar nicht zwingend um physische Güter gehen. Genauso kannst du virtuelle Güter (z.B. Ebooks) oder Dienstleistungen verkaufen, die du an anderer Stelle zu günstigen Konditionen selbst beauftragst.

Wie beim Agenturmodell sollte beim Handel zunächst ein Verkauf stehen, und dann der Einkauf. So ist ein positiver Cash-Flow gesichert. Dein Gewinn beziehungsweise Deckungsbeitrag ist die sogenannte “Arbitrage“.

Zum Erzielen dieser Arbitrage musst Du Preisunterschiede im Ein- und Verkauf nutzen, was in meinen Augen folgende Voraussetzungen erfordert:

  • Marktkenntnis: Nützlich sind Erfahrungen mit oder Beziehungen zu Großhändlern oder Auslandskontakte.
  • Design: Ohne gutes Produktdesign und eine gute Verpackung lassen sich höhere Preise schwer rechtfertigen.
  • Marketing: Du musst in der Lage sein, einen besseren Weg zum Endkunden zu finden als der ursprüngliche Hersteller.

Bootstrapping mit Beratung

Chris Guillebeau hat in seinem Buch 100 $ Startup das Modell des “Instant Consultant” vorgestellt, eine Art Bauplan für das eigene Consulting-Business.

Wie der Name des Buches schon andeutet, lässt sich ein solches Business mit sehr schmalen Mitteln auf die Beine stellen. Denn wer Consulting anbietet, braucht normalerweise keine wahnsinnig komplexe Infrastruktur.

Eine vernünftige WordPress-Seite mit einer professionellen Design-Vorlage (Premium Theme) kannst du leicht für unter 100 Euro bauen. Das Finden der ersten Kunden wird möglicherweise noch den einen oder anderen Euro kosten, aber mit ausreichend Kreativität dürfte sich dies zunächst in Grenzen halten. Und grundsätzlich liegt darauf ja beim Bootstrapping in der Anfangsphase ohnehin der Schwerpunkt.

Was ist beim Bootstrapping mit Beratungsprojekten sonst noch zu beachten?

  • Beim Thema Consulting kannst du nicht unbedingt auf Skalierung setzen, denn Deine Expertise lässt sich nicht so leicht outsourcen.
  • Standardisiere aber nach Möglichkeit die Leistungspakete und Auftragsprozesse. So kannst Du Deinen Aufwand langfristig in Grenzen halten und Stress vermeiden.
  • Zum Aufbau Deiner Expertise und einer entsprechenden Reputation ist Content Marketing ein geeigneter Weg.

Fazit

Bei immer mehr Geschäftsmodellen ist Bootstrapping heute möglich. Die beschriebenen Wege, dein Projekt mit dem Bootstrapping-Ansatz umzusetzen, sind Beispiele, die bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben können. Und jeder der Wege kann noch in verschiedene Richtungen ausdifferenziert werden. Es lohnt sich also bei jedem Start eines neuen Projektes reichlich Gehirnschmalz in die Frage zu investieren: Wie kann ich mein Business mit weniger als 1.000 Euro starten?

Ich freue mich über Kommentare oder Dein ‘Like’ des Artikels. 

Thorsten

Anmerkungen von OneDayProfits: Wer mehr zum Thema Bootstrapping lesen möchte, findet hier einen Artikel zum Bootstrapping Mindset und hier einen Beitrag, wie Bootstrapping Deinem Business beim Verkaufen hilft.

 

TEILEN
Vorheriger ArtikelWie Du mit der Angst vor der Selbstständigkeit umgehst
Nächster ArtikelVerkauf: Wie schaffe ich es, jedem Menschen etwas zu verkaufen?
Katja ist Unternehmerin und digitaler Nomade. Sie ist Co-Founder und Geschäftsführerin des Idea Camps und Gründerin von Sunny Office. Mit Sunny Office organisiert sie Coworking Events in Südeuropa für Freiberufler und Unternehmer, sowie produktive Team Events für Firmen. Idea Camp hat schon weit über 500 Startups und Gründer bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Geschäftsideen begleitet. Begonnen hat für Katja alles mit einem BWL-Studium und in der Beratung eines Konzerns. Nach 5 Jahren im großen Unternehmen entschied sie sich zu kündigen und sich komplett selbständig zu machen, um ortsunabhängig an Projekten, die mit ihren persönlichen Zielen im Einklang stehen, arbeiten zu können. Ihr Ziel ist es mit Idea Camp vielen Tausend Menschen dabei zu helfen sich erfolgreich selbständig zu machen und mit Sunny Office eine flexible, kreative und auf Sinn basierende Arbeitskultur zu fördern. Sie liebt das Meer, Sprachen, Reisen, Sport und läuft seit ein paar Jahren regelmäßig halbe oder ganze Marathons.

9 KOMMENTARE

  1. […] Ich habe mich anfangs viel zu sehr davor gescheut mit einer einfachen Version online zu gehen. Ich wollte schon das Gesamtpaket, was das Branding, der Internetauftritt und die klare Kommunikation über Rooming.eu angeht, perfekt haben. Heute würde ich einfach mit einer schlanken Version starten – Lean halt, um dann aus dem Feedback der ersten User zu lernen und die Plattform weiterzuentwickeln. (Wenn Du mehr darüber lernen willst, wie Du “schlank” und ohne große Investitionen starten kannst, schau doch mal in unseren Artikel über “Bootstrapping“). […]

  2. Hi Thorsten! Ich habe eine Frage bezüglich „Projektgeschäft“–> wenn der Kunde erst nach Auftragseingang bezahlt, muss man vermutlich die Web-Agentur schon vorab bezahlen….oder hast du das anders gemeint? danke – Beste Grüße Elmar

Was denkst Du? - Verfasse einen Kommentar