Entrepreneurial Year: 1000 Ideen. 2 Personen. 1 Jahr. Keine Ausreden

Entrepreneurial Year: 1000 Ideen. 2 Personen. 1 Jahr. Keine Ausreden

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Andreas Stockburger (28) und Marc Schlegel (26) lernten sich an der Universität St.Gallen (HSG) kennen. Die beiden Kreativköpfe mit Faible für unternehmerische Initiativen entwickelten autodidaktisch und parallel zu Studium und Praktika den ersten ansprechenden, stilvollen und informativen Online Love Toy Store – Alles in Eigenregie, möglichst lean und mit Nettoausgaben von lediglich 271€. Seit Mai 2013 arbeiten sie im Rahmen eines sogenannten www.entrepreneurial-year.de und versuchen mit Mut, Naivität und Kreativität die Welt mit frischen Ideen zu verändern und den Weg in die Selbständigkeit zu schaffen.

Hey Marc, hey Andreas, beschreibt mal ganz kurz was es mit dem Entrepreneurial Year auf sich hat.

Wir haben uns nach abgeschlossenem Doppelmaster-Studium in St. Gallen bewusst gegen Banking, Consulting und Co. entschieden und unternehmen den Versuch, binnen eines Jahres eigene Ideen, Projekte und Initiativen zu verfolgen und so den Weg in die Selbständigkeit zu schaffen. Das Entrepreneurial Year ist eine Art selbst-auferlegtes Planspiel, nur das alles real ist und spätestens am 14. Mai 2014 entschieden wird, ob wir weitermachen (können) oder nicht.  Aktuell leben und arbeiten wir im Pendler-Modus zwischen unseren Elternhäusern in Gailingen am Hochrhein (DE) und Flums (CH).

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Wir waren schon zu Studienzeiten ziemlich gut im Biertrinken und Labern ­– wollten aber letztlich wirklich etwas umsetzen. Einerseits erlangten wir durch die Arbeit an Vibraa die Gewissheit, dass wir beide gut funktionieren, jede Menge Spaß haben und fähig sind, Dinge auf die Schiene zu bringen. Andererseits ist das Unternehmerjahr auch aus einer Art Angst heraus geboren. Wir wollen einfach nicht mit 45 Jahren zurückblicken und sagen „Damn, wir hatten die Zeit, Ideen und Chancen ­– und haben’s nicht versucht“.

entrepreneurial year

Ich finde eure Idee klasse und bin auf einem ähnlichen Weg. Ihr ward letzthin sogar in der brand eins – Euer Projekt scheint ja ganz gut anzukommen?

Das freut uns natürlich riesig. Gerade weil das Projekt anfangs sowohl in uns, als auch im Umfeld einige Fragen aufgeworfen hat. „Was? Ein Unternehmerjahr? Was macht ihr denn da? Und wann bewirbt ihr Euch? Wer finanziert das?“ und so weiter. Mittlerweile hat das Projekt „Entrepreneurial Year“ – der Namen ist übrigens eine Eigenkreation – viel an Format gewonnen und scheint zunehmend auf Begeisterung zu stoßen. Ein Jahr aussetzen, eigene Ideen und Projekte verfolgen und im Optimalfall als Selbständiger auf eigenen Beinen stehen. Und selbst wenn es nicht so aufgeht wie geplant, kann man garantiert auf ein unglaublich spannendes und lehrreiches Jahr zurückblicken. Wir haben nun knapp die Hälfte unseres Jahres durch und sind nach wie vor überzeugt: Es lohnt sich einfach. Wir sind schon so viele Male hingefallen, haben eins auf’s Dach bekommen oder sind in Wände gerannt – und haben gerade deshalb viel gelernt.

Was denn zum Beispiel?

Zum Beispiel, wie einfach es ist, nicht erfüllte Monatsziele auf den nächsten Monat zu verschieben (weshalb wir jetzt einen Mentor mit im Boot haben). Oder wie schwer der Spagat fällt zwischen Perfektionismus und „einfach-mal-raus-damit“. Oder wie wahr der Satz ist „es dauert immer mindestens doppelt so lange“. Oder wie wenig man, paradox zur großen unternehmerischen Freiheit, wirklich unter Kontrolle hat. Die Liste könnte beliebig erweitert werden. Tatsache ist, die Lernkurve ist sehr, sehr steil, sowohl im Professionellen wie auch Persönlichen, weil wir fast jeden Tag in unbekanntes Terrain vorstoßen und uns bewusst auf unternehmerische Entdeckungsreisen begeben.

Warum zieht ihr das Entrepreneurial Year durch anstatt euch einen “sicheren” Job zu suchen?

Es macht einfach einen riesen Spaß. Man sieht wie das eigene Baby wächst und gedeiht und geht fast jeden Abend mit einem guten Gefühl ins Bett, wieder etwas geschafft zu haben. Wir lieben die unternehmerische Freiheit. Es gibt keinen der uns zwei-stündige Meetings in Outlook stellt oder vorschreibt was wir zu tun und zu lassen haben. Wir schätzen diese Selbständigkeit und sind im wahrsten Sinne des Wortes selbst und ständig. So haben wir in den vergangenen Monaten wahrscheinlich mehr gelernt, als in all unseren Praktika zusammen. Man macht einfach alles selbst und merkt, dass das eigene Tun zu Resultaten führt (Stichwort Selbstwirksamkeit). So gut das alles klingt, es soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nicht selten auch harte, frustrierende und zermürbende Momente gibt. Aber es sind gerade diese schwierigen Phasen, die einen weiterbringen.

Zu eurem konkreten Projekt: Mit Vibraa macht ihr was Erotisches. Wie kam es zu dieser Idee?

Die Idee zu Vibraa entstand, wie sollte es anders sein, an einem feucht-fröhlichen Abend. Wir saßen damals an Neujahr 2011/12 in Budapest und diskutierten ausgiebig über Liebesspielzeug. Das Thema faszinierte noch auf dem Nachhauseweg, wenngleich wir uns eingestehen mussten, doch eigentlich keinen Plan davon zu haben. Getrieben von Neugierde und Faszination entschieden wir uns das Thema genauer unter die Lupe zu nehmen. Am nächsten Morgen googelten wir uns voller Erwartungen durch den Markt für Love Toys. Aber bereits nach einer guten Stunde machte sich Ernüchterung breit. Die Informationssuche hinterließ einen befremdenden, irgendwie unangenehmen und nicht selten abstoßenden Eindruck. „Muss das sein? Kann man das nicht besser machen?“, haben wir uns gefragt. Und wir wollten es zumindest versuchen…

vibraa

Und wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Nach hunderten Prototypen, Testings und Feedbacks ging Vibraa.de am 3. Dezember 2012 live. Das Konzept scheint ganz gut anzukommen und ist, wenn auch noch mit verhaltenen Umsätzen, bereits profitabel. Wir stellen immer wieder fest, dass das Thema eine enorme Faszination in sich trägt, paradoxerweise aber die wenigsten wirklich wissen, worum’s geht, welches Spielzeug zu einem passen könnte und vor allem wie’s funktioniert. Wir erkannten uns selbst wieder „vor der Haustür in Budapest“ und wollten dem entgegenwirken. So haben wir über Monate recherchiert, nachgefragt, analysiert, zusammengefasst und mit viel Liebe für’s Detail, einer guten Portion Humor und Kreativität den ersten echten Guide für Love Toys herausgegeben: guide.vibraa.de – so ansprechend, stilvoll und informativ hat das Thema Love Toys noch niemand zugänglich gemacht.

Wo wollt ihr hin, was ist euer Ziel?

Wir versuchen das Thema Love Toys ernsthaft zu enttabuisieren und einem breiten Publikum bekannt und mit Stil, Information, Humor und Kreativität zugänglich zu machen. Wir haben – in Steve Job’s Worten – wenig Respekt vor dem Status Quo Beate Uhse, Orion & Co. Vielmehr möchten wir das Thema anders angehen und die Dinge neu denken. In diesem Gedanken liegt auch unsere persönliche Leidenschaft. Wir möchten neue Wege gehen, die Welt mit anderen Augen sehen und mit unkonventionellen Ideen zu ihrer Weiterentwicklung beitragen.

Was möchtet ihr Gründungsinteressierten mit auf den Weg geben?

Kurz und knapp, wenn wir alle Ratschläge, Hinweise und Tipps auf das absolut Wichtigste kondensieren müssten, würde diese Schlüsselformel dem Nike Slogan ziemlich nahe kommen. JUST DO IT. Du hast wahrscheinlich knapp 80 Jahre auf diesem Planeten. Mach was draus. Fang an, fall um, steh auf, mach weiter. Du brauchst kein Geld, du brauchst kein Team, du brauchst nicht mal eine herausragende Idee. Das sind nur Ausreden. Du musst einfach irgendwo beginnen. Tu es!

Entrepreneurial Year

Ich finde ja, dass ein solches Entrepreneurial Year noch mehr jungen Menschen ermöglicht werden sollte – was meint ihr und wie könnte das aussehen?

Damit sprichst Du uns natürlich aus dem Herzen. Wir sind überzeugt, ein Gründerjahr ist für jeden machbar. Wir würden uns wünschen, dass mehr Absolventen diesen Schritt wagen und vielleicht kann man – in Zusammenarbeit mit Unternehmen – das Entrepreneurial Year auch für andere ermöglichen. Einige Faktoren erscheinen uns besonders der Rede Wert:

1. You don’t need to be rich ­– Do the math. Man kommt mit 800€ pro Monat gut durch. Was heißt das also für die Risikoaversen im finanziellen Worst-Case-Szenario? Schlimmstenfalls sind Ende des Entrepreneurial Years knapp 10’000€ weg (wovon Du den Grossteil ohnehin für Essen, Miete & Co. gebraucht hättest). Wie also zur Kohle kommen? Vielleicht hast Du bereits etwas gespart, arbeitest Teilzeit, findest einen Kleinkredit bei der Familie oder Freunden oder überzeugst Dich einfach selbst, dass Du das investierte Kapital mit einem Deiner Projekte noch vor Ende des Entrepreneurial Year wieder drin hast. That’s the spirit.

2. You need a good team. Mach’s nicht alleine. Such Dir ein-zwei motivierte, arbeitswillige und vielseitig bewanderte Gleichgesinnte, mit denen Du gut kannst und die mit Dir gut können. Als Einzelkämpfer wird es schwierig, sich jeden Tag aufs Neue zu motivieren. In einem guten Team pusht man sich gegenseitig und ist viel schneller. Und, je diverser (professional and personal) das Team, desto besser. Es kommt nicht primär auf die gute Idee an (die wird sich noch zig male ändern), das Team ist entscheidend.

3. You gotta work together, physically. Ob bei Freunden, im Elternhaus oder in der gemeinsamen Wohnung, die besten Ideen, Gedanken (und Entscheidungen) entstehen beim gemeinsamen Kochen, Joggen oder Film schauen. Email, Skype & Co. sind schön und gut, aber es geht nichts über den langanhaltenden, persönlichen Austausch. Am gleichen Tisch zu sitzen verdoppelt die eigene Effektivität – mindestens.

= You invest in yourself. Wir sind überzeugt: In einem Gründerjahr lernst Du mehr als in jedem Praktikum bei McKinsey, Siemens, BMW und Co. – gerade weil Du enorm viel Neues wagst (wagen musst) und einige male hinfällst. Und das wird Dir garantiert bei jedem zukünftigen Engagement, ob in Corporate, Startup oder NGO positiv angerechnet. Bleibt nur die Frage, ob Du nach einem Entrepreneurial Year wirklich zurück in ein Anstellungsverhältnis möchtest…

Danke euch für die vielen spannenden Einblicke!! 

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