Hat meine Geschäftsidee Potential?

Hat meine Geschäftsidee Potential?

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Im letzten Artikel der Serie „Geschäftsideen“ bin ich schon darauf eingegangen, dass es Geschäftsideen gibt, wie Sand am Meer. Ben hat zudem darüber geschrieben, wie Du eine Geschäftsidee findest, die zu Dir passt. Was allerdings schon seltener ist, sind richtig gute Geschäftsideen. Was ist eine richtig gute Idee? Eine Idee, die gut funktioniert. Gibt es jemanden, der Dir sicher sagen kann, ob Deine Idee funktioniert? Nein, vermutlich nicht. Ob eine Idee funktioniert, musst Du testen. Aber es gibt einige Faktoren, mit denen Du Deine Idee überprüfen kannst. Diese Faktoren können Dir einen gewissen Aufschluss darüber geben, ob Deine Idee das Potential hat größer zu werden oder nicht. Außerdem interessiert mich immer, wie viel Energie ich vermutlich in ein Geschäftsmodell investieren muss, damit es funktionieren kann und ob sich der Aufwand finanziell jemals auszahlen kann.

Hier ein paar der Faktoren, die ich mir anschauen würde, bevor ich in einen Markt einsteige und meine Geschäftsidee verfolge:

Marktexistenz : Bevor ich mich auf einen Markt stürze, möchte ich wissen, ob es meinen Markt tatsächlich gibt. Sprich, gibt es jemanden, der in dem Bereich, in dem ich aktiv sein will bereits Geld ausgibt? Hast Du ein neues Beautyprodukt für Frauen ab 50 Jahren? Falls ja, gibt es Frauen, ab 50 Jahren, die für ihre Schönheit Geld ausgeben? Die Antwort darauf ist wohl sehr einfach zu finden. Ja.

Marktgröße: Es wird Dir recht wenig helfen Dir auszurechnen, wie viele Milliarden Euro in einem Markt jährlich ausgegeben werden. Und zu sagen, wenn ich nur 0,1% des Marktanteils bekomme, dann bin ich reich, bringt Dir auch nichts ein. Außer vielleicht ein spöttisches Lachen.

Grundsätzlich macht es vielleicht schon Sinn, Dir kurz zu überlegen, wie groß der Gesamtmarkt sein könnte, nur um sicherzugehen, dass Dein Markt nicht nur ein paar tausend Euro pro Jahr groß ist.

Aber wenn Du siehst, dass es ein Millionenmarkt ist, dann würde ich mir überlegen, in wie weit Dir der Markt zugänglich ist und über welche Kanäle Du Deine Zielgruppe erreichen kannst. Wenn Du zum Beispiel siehst, dass Du über verschiedene Marketingkanäle 300.000 mögliche Interessenten pro Jahr ansprechen kannst, dann ist das eine Zahl, mit der ich mir ein Bild von meinen Möglichkeiten machen kann. Also kurz: Anstatt Dein Marktpotential von der gesamten Marktgröße abzuleiten (also der top-down Ansatz), würde ich mir überlegen, wie viele Interessenten ich ansprechen kann und wie viele davon letztendlich zu zahlenden Kunden werden können und wie viel Geld ich mit jedem Kunden verdiene. Der letzter Ansatz (bottom-up) ist deutlich realistischer und Du kannst ziemlich schnell anfangen, Deine Annahmen zu überprüfen, einfach in dem Du anfängst auf den verschiedenen Marketingkanälen potentielle Interessenten anzusprechen.

Skalierbarkeit: Ein wichtiger Aspekt bei einer Geschäftsidee ist für mich, dass man sie skalieren kann. Was meine ich damit? Ich möchte bei meinen Geschäftsideen in der Lage sein, ein System zu bauen, welches mittelfristig nicht nur in der Lage ist, einem oder zwei Kunden Wert zu liefern‚ sondern auch 20, 100 oder 10000 Kunden. Wenn ich also persönlicher Styleberater bin und nie ein System erfunden habe, welches ich auch anderen Personen beibringen kann, die dann für mich arbeiten können, dann ist meine Idee nicht skalierbar, da ich der einzige bin, der die Dienstleistung anbieten kann und ich kann mich immer nur auf eine kleine Anzahl an Kunden konzentrieren, weil meine begrenzte Zeit einfach nicht für mehr Einsatz ausreicht.

Wiederholender Verkauf und Net Present Value

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich, dass ich wiederkehrende Verkäufe an meine Kundschaft erzielen kann. Ist mein Produkt oder mein Service etwas, das wöchentlich, monatlich oder jährlich wieder gebraucht wird?

Geschäftsideen, bei denen ich regelmäßig an die gleiche Kundengruppe wieder und wieder verkaufen kann, finde ich insofern spannend, als dass ich mit festen Umsätzen rechnen kann. Unser Service für virtuelle persönliche Assistenten beispielsweise, wird monatlich wieder und wieder von den gleichen Kunden genutzt und ich kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Monat für Monat ein gewisser Umsatz reinkommt, egal ob wir neue Kunden gewinnen oder nicht. Solange die alten Kunden bleiben, verdient die Firma weiter Geld.

Natürlich gilt das auch für Zeitungsabos, Fitnessstudios, Mobilfunkverträge, Versicherungen und Produkte wie Toner für Drucker und Rasierklingen. Kannst Du Dein Produkt oder Service auch regelmäßig an die gleichen Kunden verkaufen? Denn falls ja, erhöhst Du damit den Net Present Value eines jeden Neukunden.

Stickiness (ist es einfach den Service zu wechseln???)

Ein weiterer interessanter Faktor, ist der ‚Stickiness‘ Faktor. Dieser Faktor lässt mich überlegen, ob das Produkt oder der Service eine derartige Verbindung zu den Kunden schafft, dass sie ein Verlangen nach dem Service oder dem Produkt entwickeln. Heroin hat beispielsweise einen sehr hohen Stickiness-Faktor. Aber auch Produkte und Dienstleistungen wie Private Krankenversicherungen, Steuerberatung, die Leistung von Hausärzten und Produkte wie Drucker, Rasierer, elektrische Zahnbürsten und virtuelle persönliche Assistenten haben einen hohen Stickiness-Faktor. Warum? Weil es einfach aufwendig und unangenehm ist, den Service oder das Produkt zu wechseln und man es nur tut, wenn man absolut muss. Eine Krankenversicherung zu wechseln, ist nervig, aufwendig und kann mit finanziellen Einbußen einhergehen. Den Hausarzt zu wechseln, zu dem man schon seit Jahren eine Beziehung aufgebaut hat, macht man auch nicht alle Tage. Es sei denn man zieht häufig um oder der Arzt macht einen richtig schlechten Job. Und man kauft auch immer wieder die Klingen für den Gillette-Rasierer und den Aufsatz für die elektrische Zahnbürste. Warum? Weil man schon in das System investiert hat und es psychologisch inkonsequent wäre nicht zu dem System zu stehen. Wenn Dein Produkt oder Service nicht so einfach zu wechseln ist, dann ist das von extremem Vorteil für Dich und Deine Geschäftsidee. Wenn Du einmal Kunden gewonnen hast und Du hältst was Du versprichst, werden die Kunden vermutlich auf lange Zeit bei dir bleiben.

Marge

Bevor Du dich Hals über Kopf auf eine Idee stürzt, macht es Sinn sich zu überlegen, ob Du mit dem Produkt oder dem Service eine Marge erwirtschaften kannst, die Deinen Arbeitsaufwand oder den Arbeitsaufwand von Mitarbeitern lohnt. Am Anfang kann man zwar nur Vermutungen dazu anstellen aber Du kannst im Kopf zumindest ein paar Zahlen überschlagen und schauen, ob der Ertrag einer Transaktion, bzw. eines Kaufes, den Aufwand der mit der Abwicklung des Auftrages einhergeht, rechtfertigt. Kurz: Du musst pro Verkauf genug verdienen alle Kosten zu decken und immer noch einen Profit zu machen. Je höher die Marge, desto spannender ist das Geschäftsmodell aus finanzieller Sicht.

Vertriebsaufwand und Marketingstrategie

Ich gehe eine Geschäftsidee nur dann an, wenn ich mir eine ganze Reihe an potentiellen Vertriebskanälen vorstellen kann über die ich das Produkt oder den Service vertreiben könnte. Und nicht nur das. Ich möchte auch wissen, dass ich die Vertriebskanäle mit vertretbarem Aufwand abrufen kann. Denn nur wenn ich innerhalb eines überschaubaren Zeitraumes auch erste Verkaufserfolge verzeichnen kann, verspüre ich die Motivation das Projekt fortzuführen. Bei extrem hohem Vertriebsaufwand, scheue ich vermutlich vor der Anstrengung der erschwerten Kundenakquise zurück.

Ein weiterer Faktor, der sich auf das Marketing bezieht, ist die Positionierung.

Positionierung

Ich finde Geschäftsideen spannend, die es mir erlauben, eine herausstechende Positionierung zu entwickeln. Ein reines ‚me-too‘ Angebot finde ich eher unspannend. Wenn Du aber die Möglichkeit siehst, Dich über Deine Vision oder bestimmten Kundennutzen klar abzugrenzen, dann verdient die Geschäftsidee vermutlich getestet zu werden.

Konkurrenz und Märkte:

In unserer hippen Internetwelt stürzen sich komischerweise immer wieder Gründer und Gründerinnen auf die absoluten Trendthemen. Viel spannender sind aber oft Industrien und Bereiche, in denen längere Zeit keine große Veränderung stattgefunden hat. In diesen Industrien und Märkten, kann man mit Innovationen oft sehr viel erreichen und eine Mini-Revolution starten.

Ein Beispiel, das mir da in den Sinn kommt, ist der Markt für die Vermittlungen von Taxifahrten. Lange Zeit hat sich auf dem Markt nichts verändert – der Taxifunk war fest etabliert. Alles lief nach Schema-F. Bis die App MyTaxi den Taxifunk für viele quasi überflüssig gemacht hat.  (http://www.deutsche-startups.de/2012/08/16/disruptive-innovations-mytaxi-toetet-taxifunk/)

Ein weiteres Beispiel ist das Hotelgeschäft, das aktuell von StartUps wie Airbnb, über die man Appartments bei Privatpersonen mieten kann, anstatt im Hotel einzuchecken, ordentlich Druck bekommt.

Welche Märkte gibt es, die mit einer frischen Idee und möglicherweise auch neuer Technologie einmal generalüberholt werden könnten? Wo sind nicht nur kleine Verbesserungen im Geschäftsmodell möglich, sondern ein komplettes Umdenken?

Wenn man sich diese langsamen Märkte, die sich seit geraumer Zeit nicht mehr wesentlich weiterentwickelt haben anschaut, hat man auch den Vorteil, dass man vermutlich gerade nicht in einem Bereich herum wuselt, in dem gerade dutzende andere StartUps versuchen Fuß zu fassen. So kann man ruhigen Schrittes an seiner eigenen kleinen Revolution arbeiten, ohne im Trubel des Hypes gefangen zu sein.

Vision:

Ich nenne Vision in diesem Artikel als letzten Faktor aber nicht, weil er die geringste Bedeutung hat. Im Gegenteil. Wenn ich nicht durch eine starke und persönliche Vision mit einer Idee verbunden bin, dann habe ich vermutlich auch langfristig nicht das Durchhaltevermögen, um ein Geschäft darum aufzubauen. Wenn also sämtliche oben genannten Faktoren stimmen, aber mich die Geschäftsidee nicht auch persönlich motiviert und ich das Gefühl habe, dass ich damit etwas Gutes tue, dann würde ich mich der Idee nicht widmen.

Ich hoffe, dass Dir dieser Artikel zumindest ein paar Ideen dazu gegeben hat, wie Du Deine Geschäftsideen auf ihr Potential hin checken kannst. Wenn Dir der Artikel gefallen hat, freue ich mich auf Dein ‚Like‘.

Foto: Ian Sane 

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