Mit fairer und stylischer Mode zum Erfolg als Jungunternehmer – ein Interview.

Mit fairer und stylischer Mode zum Erfolg als Jungunternehmer – ein Interview.

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ricardo - pui clothingTeil 4/5 unserer Interview-Reihe. Ricardo hat mit seinen jugendlichen 20 Jahren schon eine eigene Modemarke aufgebaut. Mich hat an Ricardo fasziniert wie zielstrebig und gleichzeitig sehr ruhig und gelassen er ist. Zur Zeit studiert er in Berlin und arbeitet nebenbei noch in einem anderen Startup. Mit Ricardo habe ich über die Uni, Startups und den Aufbau seines Modelabels gesprochen.  Aber lest selbst – and get inspired! Und wenn Du selbst ein junger Gründer bist oder einen kennst – lass es uns wissen! Über unsere Facebook-Seite oder einfach in den Kommentaren.

Ricardo, stelle Dich doch bitte kurz vor. Was machst du gerade?

Hi – ich bin Ricardo, ich werde im September 21 Jahre alt und studiere in Berlin Marketing & Kommunikation. Neben dem Studium bin ich in zwei super spannende Projekte involviert:

  • Bei meinem Startup Piu entwickeln wir umweltfreundliche Mode für aktive Menschen.
  • Bei Kaffee Toro stellen wir den Kaffeemarkt auf den Kopf.

Gemäß meines Studienprogramms bin ich bei beiden StartUps für den Bereich Marketing zuständig.

Du hast mit 18 Jahren das Modelabel piu gegründet. Wie kam es dazu und was genau ist das Besondere an Piu?

Ich arbeitete  zu der Zeit im Textildruckbereich der Agentur Sehnsucht Design in Münster und hatte dementsprechend bei der Arbeit das ein oder andere T-Shirt in der Hand, lernte viel über die verschiedenen Druckvarianten und entwickelte auch selbst erste Designs.

Die Idee, ein eigenes Label zu gründen, entstand, als die ersten Piu-Shirts auf positives Feedback gestoßen waren. Ab dem ersten Tag ging es bei dem Projekt nicht nur um T-Shirts – sondern auch um eine Lebenseinstellung:  ‘cuz we love life! Alles, was Piu macht, lässt sich auf dieses Motto zurückführen: Wir arbeiten mit starken Persönlichkeiten zusammen, die in ihrem Leben genau das machen, was sie lieben. Sei es der australische Fotograf Mikey, der deutsche Eishockeyspieler Marcel Müller oder der DJ Max Fail.

Wie kam es zu der Idee und wie bist du gestartet?

Ich selbst war regelmäßiger Kunde bei titus und ähnliche Skateshops. Ich finde die Szene spannend und begeistere mich für sämtliche Extremsportarten. Für mich war es die logische Schlussfolgerung, mein eigenes Ding zu versuchen, als sich durch meine Arbeit bei Sehnsucht Design die Möglichkeit bot. Ich fing an, einzelne Shirts im Freundeskreis zu verkaufen. Parallel schrieb ich meine Buddies Max und Jan an, die gerade mit einem Van durch Australien tourten, und fragte nach Strand- und Surf-Fotos für die neu eingerichtete Facebook-Seite. Die Marke bekam ein Gesicht.

Ich blieb mit den Jungs in Kontakt und hielt sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden. Als sie dann ihren Road Trip durch Down Under beendet hatten, setzten wir uns zu dritt zusammen und gründeten die Piu Clothing UG.

Wie viele seid ihr momentan im Team?

Das Kernteam besteht aus vier Leuten: Max, Jan und ich haben zu dritt gegründet. Seit wenigen Monaten werden wir von Helen unterstützt. Sie schreibt unsere Blogartikel und wird zukünftig den Produktionsprozess betreuen. Für mich zählen aber außerdem alle zum Team, die bei uns im Online Store ein Produkt kaufen, jeder Facebook-Fan und jeder, der uns in irgendeiner Form unterstützt. Gerade sind wir dabei, ein Street Team aufzubauen, das unsere Marke weiter verbreitet.

Wie läuft der Produktionsprozess bei euch ab?

‘Cuz we love life!’ heißt für uns auch: Umweltfreundliche Produktion und faire Arbeitsbedingungen. Aus diesem Grund werden unsere aktuellen Kollektionen umweltfreundlich und fair hergestellt und zertifiziert. Wir haben damit auch unsere Produktqualität noch einmal steigern können. Die Veredelung findet in deutschen Betrieben statt.

War die Gründung von piu für Dich der richtige Schritt?

Ja. Ich liebe, was ich tue und habe einen Riesenspaß an der Sache.

Um es bildlich auszudrücken: Der Piu-Wal ist wie ein Baby für uns, das wir versuchen, gemeinsam aufzuziehen. Klar – es ist nicht immer leicht neben dem Studium. Aber wenn man sieht, wie der kleine Wal langsam anfängt, schwimmen zu lernen, ist das schon ein geiles Gefühl.

Könntest Du Dir vorstellen, von der Uni zu gehen und Dich nur auf Piu zu konzentrieren?

Ich kann es mir vorstellen. Aber zum jetzigen Zeitpunkt wäre es keine kluge Entscheidung. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Scheine eine sehr entscheidende Rolle spielen: Führerscheine im Straßenverkehr, Geldscheine im Einzelhandel und eben auch der Studienschein auf dem Arbeitsmarkt. Ich bin mir nicht sicher, ob ein Studium mehr bildet als die richtige Auswahl von zehn Büchern und zehn Internetseiten gemischt mit zwei spannenden Praktika und einem Auslandsaufenthalt. Aber ich bin mir sicher, dass sich ein Schein – noch – leichter verkaufen lässt.

Mittlerweile habt ihr ja schon eine beachtliche Community. Wie sieht oder sah eure Marketing-Strategie aus?

Wir sind im Raum Münster gestartet und haben es geschafft, uns dort eine Basis zu aufzubauen, die uns unterstützt. Freunde haben uns in der Anfangsphase extrem geholfen und spielen immer noch eine tragende Rolle. Unsere Strategie war und ist, unseren Claim zu kommunizieren und in die Welt zu tragen. Wir suchen Partner, die ähnliche Wertvorstellungen haben wie wir. Über unsere Social Media Kanäle vermitteln wir unser Lebensgefühl und geben einen Einblick in unsere Tätigkeiten.

Was hast Du für Dich persönlich aus der Gründung mitgenommen?

Unglaublich viel. Man lernt einfach unfassbar schnell dazu. Natürlich passieren viele Fehler in der Anfangsphase. Die Kunst ist es, aus den Fehlern zu lernen. Die Erfahrung, die man sammelt ist Gold wert. Man lernt sehr viele Menschen kennen, die einen unterstützen und ähnlich denken wie man selbst.

Was rätst Du jungen Leuten, die gerne ein eigenes Unternehmen gründen wollen?

Macht es! Wenn Ihr dran glaubt, solltet Ihr nicht zu lange zögern. Aber ein überstürzter Start kann auch viele Risiken mit sich bringen.

Deswegen mein Rat: Erstellt einen Plan und schreibt auf, was Ihr vorhabt. Lest Euch nach einer Woche Bedenkzeit den Plan noch einmal durch. Wenn ihr weiterhin überzeugt seid, dann macht es. Wenn Ihr Bock drauf habt, euch aber nicht traut, werdet Ihr es mit Sicherheit ein Leben lang bereuen. Auch wenn es nicht auf Anhieb der Riesenerfolg wird: In keinem Studium und in keiner Festanstellung hat man eine so steile Lernkurve wie im eigenen Startup.

Das kann ich bestätigen! Wie geht es weiter mit Piu? Was ist Deine Vision?

Es gibt natürlich viele Träume: Ein eigener Piu-Store wäre stark, größere Piu-Events stehen natürlich auch weit oben auf der Wunschliste.

Aber im Tagesgeschäft setzen wir uns mit anderen Fragen auseinander z.B. wie wir es schaffen, neue Partner zu gewinnen, wie wir den Vertrieb optimieren können oder wie wir es schaffen, dass die Menschen auf den Straßen Kopenhagens ‘Piu’ tragen. Auf die letzte Frage haben wir vielleicht gerade eine Antwort gefunden.

Vielen Dank für das Interview, Ricardo! 

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Hier die bisherigen Interviews dieser Woche nochmal für Dich zum Nachlesen:

Bild: szeke

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