Nachhaltige Geschäftsideen – Was kommt nach dem Wachstum?

Nachhaltige Geschäftsideen – Was kommt nach dem Wachstum?

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nachhaltige Geschäftsideen

Welche Art von Geschäftsmodellen bringen nicht nur Profit, sondern auch ein hohes Maß an Identifikation und Zufriedenheit? In den meisten Fällen ist es ein Geschäftsmodell mit dem Du gleichzeitig auch einen Beitrag leistest und „die Welt etwas besser machst“. Ja, das klingt idealistisch, ist aber wahrscheinlich das, was uns langfristig zufrieden stellt – etwas Gutes zu tun und damit Geld zu verdienen. In diesem Artikel widme ich mich daher nachhaltigen Geschäftsideen. 

Auf dem Entrepreneurship Summit 2013 in Berlin habe ich zwei Vorträge zum Thema „Postwachstumsökonomie“ von Prof. Niko Paech und Prof. Helge Löbler gehört. Es geht um ein Wirtschaftsmodell als eine Alternative zu unserem heutigen auf beständigem Wachstum basierenden System. Diese zwei Vorträge haben mich zum Nachdenken gebracht und ich habe mich damit beschäftigt, welche Geschäftsmodelle es gibt, die Profit machen und gleichzeitig Ressourcen sparen.

Postwachstumsökonomie und nachhaltige Geschäftsideen

Die Postwachstumsökonomie ist ein Teilbereich der Wirtschaftswissenschaft, die davon ausgeht, dass unsere Wirtschaft nicht endlos wachsen kann. Zumindest nicht ohne, dass wir dabei unseren Planeten nachhaltig schädigen. Die Tatsache, dass die meisten negativen Effekte (z.B. Umweltverschmutzung) nicht internalisiert und damit nicht von den Verursachern getragen werden müssen, führt dazu, dass der Ressourcenverbrauch  sich nicht verändert.

Die Annahme ist, dass wir unsere knappen Ressourcen zwar effizienter nutzen können, diese aber trotzdem zur Neige gehen. Daneben gibt es auch weniger offensichtliche Annahmen: die psychologische Wachstumsgrenze. Der Überfluss an Möglichkeiten macht uns nicht glücklicher, sondern stresst uns. Mehr Konsum ist also nicht besser für uns. Als dritte Limitierung gibt es die soziale Wachstumsgrenze, da die Theorie davon ausgeht, dass soziale Unterschiede zunächst größer werden (wie zum Beispiel in Russland oder China) bevor die Schere in der Gesellschaft sich wieder schließen kann und eine starke Mittelschicht entsteht. Die angenommene Wachstumsgrenze der Ressourcen legt nahe, dass die Möglichkeiten dafür nicht zur Verfügung stehen.

Warum gibt es überhaupt eine Wachstumsökönomie mit negativen Effekten?

Die Tatsache, dass die meisten negativen Effekte (z.B. Umweltverschmutzung) nicht internalisiert und damit nicht von den Verursachern getragen werden müssen, führt dazu, dass der Ressourcenverbrauch  sich nicht verändert.

Der Lösungsvorschlag der Postwachstumsökonomie ist ein Wirtschaftssystem, das nicht auf beständigem Wachstum beruht, weniger Ressourcen benötigt und uns dabei glücklicher machen soll.

Also im Grunde eine Art Minimalismus für das Gesamtwirtschaftssystem. Dass Reduktion glücklich macht weiß jeder, der schon einmal einen gesamten Hausstand auf 2 Koffer zusammengefasst hat. Mehr ist in diesem Fall nicht besser, sondern schlechter – es sorgt für Ablenkung, bindet und benötigt Ressourcen und Zeit. Was auf individueller Ebene funktioniert wird also auf das Wirtschaftssystem übertragen – mehr Zeit, weniger „Kram“, Fokus auf das Wesentliche, das Glücklich macht.

Die Theorie schlägt für eine alternative Wirtschaftsordnung eine Reihe von Maßnahmen vor. Diese lassen sich in zum Beispiel wie folgt zusammenfassen:

  • Regionale Herstellung versus globale Arbeitsteilung

Die globale Arbeitsteilung bedeutet eine starke Spezialisierung und weite Transportwege und damit hohen Ressourcenverbrauch. Die Alternative ist eine  zu größeren Teilen regionale Herstellung und Verteilung von Gütern.

  • Teilweise Selbstversorgung versus komplette Fremdversorgung

Anstatt der kompletten Fremdversorgung, wie es in den westlichen Industrieländern üblich ist, wird ein höherer Anteil an Selbstversorgung vorgeschlagen. Das bedeutet wieder größere Nähe zu den Produkten, mehr Handwerk und Landwirtschaft.

  • Weniger ist mehrweniger ist mehr

Reduktion auf das Wesentliche, um mehr Zeit frei zu machen und um damit zu entschleunigen. Die Glücksforschung hat eine Überforderung durch die vielen Konsummöglichkeiten beobachtet, die zu Unglücklichsein führen können. Es geht nicht um Verzicht, sondern darum sich zu befreien.

  • Produkthaltbarkeit vs. häufig auszutauschende Massenprodukte

Herstellung von länger haltbaren Produkten, die von den Verbrauchern auch repariert werden können.

Diese vier Punkte führen zu verschiedensten nachhaltigen Geschäftsideen und -modellen, die dem steigenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit begegnen. Hier ein Auszug von Beispielen für nachhaltige Geschäftsideen: 

1) Nutzen vs. Besitzen: Sharing, Tauschen, Leihen:

  • Carsharing, Coworking spaces, Ausleihen von Kunst, Tauschen von Kleidung, …
  • Fragen: Welche weiteren Dinge könnten geteilt, getauscht, geliehen werden?

2) Regionalität:

  • Fokus auf lokale Produktion und Distribution von Waren. Internationale Handelsketten werden dabei übersprungen und lokale Hersteller und Verbraucher zusammengebracht.
  • Beispiele: Regionale Lebensmittel, Gemüsekisten.
  • Fragen: Welche Produkte sind besonders transport- und herstellungsintensiv? Bei welchen Produkten ist es dem Verbraucher besonders wichtig, einen regionalen Bezug zu haben?

3) Individualisierung und selbst herstellen: Maker- /Do-it-yourself-Kultur

  • Die Kultur des Selbstherstellens wird mit 3D Druckern noch wesentlich zunehmen, da Ideen immer leichter selbst realisiert werden können.
  • Beispiele: Verkauf von Selbsthergestelltem (DaWanda), Anleitungen zum Selbstherstellen online, Repair-Dienstleistungen und Schulungen, z.B. Maker-weekend betahaus
  • Fragen: Wo können traditionelle Produktionsprozesse aufgebrochen werden und durch neue Abläufe ersetzt werden?

4) Haltbarkeit und langlebige Produkte

  • Hochqualitative und lange haltbare Produkte, Wiederverwendung und Recycling
  • Beispiele: Soulbottles – Glasflaschen im personalisierten Design, Kleidung oder Taschen aus recycelten Materialien, …
  • Fragen, um weitere Geschäftsmodelle zu finden: Welche Materialien/ Dinge führen zu einem hohen Müllaufkommen und könnten zum Beispiel durch eine smarte Lösung eines Mehrwegguts ersetzt werden?

5) Persönlichkeitsentwicklung und bewusster Lebensstil

  • Beispiele: Services zum Entschleunigen und für bewusstem Lebensstil, z.B. Fastenkuren, Personal Development Coaching
  • Fragen: Welche Bedürfnisse werden im klassischen Wachstumssystem typischerweise vernachlässig? Was führt zu mehr Zufriedenheit (z.B.: Passion finden, bewusstes Design des eigenen Lebensstil)

Hier noch die zwei Videos von Prof. Helge Löbler und Prof. Niko Paech vom Entrepreneurship Summit.

Hast Du nachhaltige Geschäftsideen? Welche Startups und Unternehmen kennst Du in einem der Felder? Fallen Dir weitere Felder ein? In den Kommentaren ist Platz dafür!

Bild: Ulrich Thumult

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Katja ist Unternehmerin und digitaler Nomade. Sie ist Co-Founder und Geschäftsführerin des Idea Camps und Gründerin von Sunny Office. Mit Sunny Office organisiert sie Coworking Events in Südeuropa für Freiberufler und Unternehmer, sowie produktive Team Events für Firmen. Idea Camp hat schon weit über 500 Startups und Gründer bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Geschäftsideen begleitet. Begonnen hat für Katja alles mit einem BWL-Studium und in der Beratung eines Konzerns. Nach 5 Jahren im großen Unternehmen entschied sie sich zu kündigen und sich komplett selbständig zu machen, um ortsunabhängig an Projekten, die mit ihren persönlichen Zielen im Einklang stehen, arbeiten zu können. Ihr Ziel ist es mit Idea Camp vielen Tausend Menschen dabei zu helfen sich erfolgreich selbständig zu machen und mit Sunny Office eine flexible, kreative und auf Sinn basierende Arbeitskultur zu fördern. Sie liebt das Meer, Sprachen, Reisen, Sport und läuft seit ein paar Jahren regelmäßig halbe oder ganze Marathons.

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