Serial Entrepreneurs – alle paar Jahre ein neues Unternehmen gründen?

Serial Entrepreneurs – alle paar Jahre ein neues Unternehmen gründen?

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Serial Entrepreneurs

Dies ist ein Gastbeitrag von Bernd Kopin. Bernd ist Gründer von famany.com. Auf der Plattform können sich Unternehmen nach ihrer Familienfreundlichkeit bewerten lassen. Bernd hat seine Bachelor-Thesis über das Thema „Serial Entrepreneurs“ geschrieben. Darum geht es auch in diesem Artikel. Enter Bernd!

Alle paar Jahre ein neues Unternehmen gründen? – Was Serial Entrepreneurs anders machen als die meisten Unternehmer.

Serial Entrepreneurs sind eine rare Spezies – getrieben durch den Drang zur Umsetzung immer neuer Geschäftsmodelle, bauen Sie Strukturen auf, um immer wieder neue Unternehmen zu gründen und sich den wichtigsten Aufgaben eines Entrepreneurs zu widmen – dem konzipieren und umsetzen von Geschäftsideen – und nicht dem langfristigen managen von Unternehmen.

Im Rahmen meiner Bachelor Thesis habe ich die Geschäftsmodelle von Serial Entrepreneurs untersucht. Ganz bewusst habe ich nicht auf die persönlichen Merkmale dieser Gründer geschaut, denn darüber wurde bereits viel geforscht und geschrieben. Mich hat interessiert, was sie im Vergleich zu anderen Gründern anders machen, um sich von einer Gründung in die nächste zu stürzen. Eins vorweg: Wir können viel von ihnen lernen!

Zu Beginn muss man jedoch Entrepreneurship und Unternehmertum unterscheiden. Entrepreneurs haben einen Hang zur Ideenverwirklichung, die sie mit kreativen und innovativen Geschäftsmodellen umsetzen und entwickeln. Sobald das Unternehmen größer wird und die Komplexität der internen Strukturen zunimmt, fehlt Ihnen der Anreiz in diesem Unternehmen zu arbeiten. Dann ziehen sie sich aus dem Unternehmen zurück – entweder durch einen Verkauf oder durch die Tagesgeschäftsabgabe an Manager.

Unternehmer sehen ihre Aufgabe hingegen eher im Verwalten und Führen eines Unternehmens. Der klassische deutsche Mittelständer ist ein gutes Beispiel dafür. Der Großvater gründete ein Unternehmen und die nächsten Generationen führen es weiter.

Im Hinblick auf die technologische Entwicklung und den damit einhergehenden neuen Möglichkeiten für Firmengründer, hat Serial Entrepreneurship einen enormen Push erhalten. Heutzutage gibt es günstigere, einfachere und schnellere Möglichkeiten, eine Firma zu gründen und zum Erfolg zu führen. Insbesondere die Geschäftsmodelle im Technologiebereich haben durch diese Entwicklung profitiert. Sie wurden flexibler und sind oft nicht an reale Güter gebunden.

Im Folgenden erläutere ich, wie Serial Entrepreneurs ihre Geschäftsmodelle aufbauen – von der Idee bis zum Exit.

Die Idee

Am Anfang einer jeden Gründung steht immer eine Idee. Serial Entrepreneurs achten dabei auf folgende Aspekte:

  1. Innovation
  2. Skalierbarkeit
  3. Spezialisierung
  4. Marktvorteil und Kundennutzen

1. Innovation als Basis erfolgreicher Unternehmen

Innovation im Bezug auf Entrepreneurship bezieht sich selten auf technologischen Fortschritt, sondern vielmehr aus der Neukombination aus bereits Vorhandenem, wobei durch das Ergebnis Mehrwert geschafft wird. Das können Produkte oder Dienstleistungen sein oder aber eine wertsteigernde Veränderungen bestehender Prozesse.

So entstehen durch innovative Ideen oft neuartige und funktionelle anstatt konventionelle und imitative Geschäftsmodelle. Dies verdeutlicht den Aspekt der Kreativität und der Generierung von neuartigen Angeboten im Entrepreneurship. Der bekannte Ökonom Schumpeter hat die Innovation daher passenderweise als „kreative Zerstörung“ des Bestehenden definiert und mit Entrepreneurship in Verbindung gebracht.

Die Forschung und Erfahrung zeigt, dass Unternehmen mit hohem Innovationgrad oft die erfolgreichsten sind. Besonders für den Serial Entrepreneur gibt es hier jedoch noch einen weiteren wichtigen Aspekt. Innovative Unternehmen mit neuen erfolgreichen Geschäftsmodellen sind attraktiver für potentielle Käufer, da die Implementierung eines bereits funktionierenden Geschäftsmodells in das Unternehmen es Käufers oft zeit- und kostensparender ist, als der eigene Aufbau eines solchen.

2. Skalierbarkeit für das nötige Wachstum

Die Skalierung des Unternehmens und das Vergrößern des Geschäftsmodells auf andere Märkte und um weitere Produkte oder Dienstleistungen ist aus zwei Gründen entscheidend wichtig für Serial Entrepreneurs:

  1. Die Skalierungsfähigkeit des Geschäftsmodells generiert Wachstum und Wertsteigerung und somit die Basis für ein nachhaltiges Unternehmen.
  2. Der Vorsprung vor Imitatoren (Copy Cats) steigt enorm. AirBnB hat zum Beispiel nicht darauf gesetzt, 9Flats oder Wimdu zu kaufen, sondern aus eigener Kraft zu skalieren und hat die beiden Wettbewerber dadurch abgehängt.

Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Skalierung besteht in einer geringen Komplexität des Geschäftsmodells, sodass es von anderen Personen, speziell dem Management, verstanden und verwaltet werden kann.

3.    Spezialisierung – In der Nische liegt der Erfolg

Peter Thiel hat es kürzlich bei seinem Besuch in Berlin auf den Punkt gebracht: „Sucht euch lieber einen kleinen Markt und erreicht 60% Marktanteil, als einen großen Markt in dem ihr nur wenige Prozente besitzt.“

Die gleiche Ausrichtung habe ich durch meine Literatur- und Interviewrecherche feststellen können. Startups stehen am Anfang nur begrenzt Ressourcen zur Verfügung. Die logische Konsequenz ist die Spezialisierung auf einige wenige Produkte bzw. Angebot, im Idealfall sogar nur ein konkretes. Durch eine Spezialisierung konzentriert sich das Startup auf ein konkretes Kundenbedürfnis und löst dieses besser, als wenn es sich auf zwei oder drei Bedürfnisse gleichzeitig stürzt. Hinzu kommt, dass eine Skalierung des Unternehmens durch eine Spezialisierung erleichtert wird, da die Komplexität gering gehalten werden kann.

4.    Marktvorteil und Kundennutzen – Ohne USP wird es schwierig

Wenn die Idee bis zu dieser Stelle alle Kriterien erfüllt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein sehr hoher Nutzer für den Kunden besteht und durch das Geschäftsmodell genutzt wird. Voraussetzung ist jedoch wie beschrieben die Lösung eines tatsächlichen Bedürfnisses bzw. Problems.

Die Punkte der Gründungsidee müssen dann in eine Geschäftsmodellarchitektur eingebaut und umgesetzt werden, die das Gründen in Serie ermöglicht. Bei dieser Architektur ist darauf zu achten, dass das Unternehmen folgende Merkmale erfüllt:

Komponenten – von Anfang an professionell agieren

Komponenten sind beispielsweise Bürodienstleister zur Verwaltung des Rechnungswesens, Logistikdienstleiter (etwa Fulfillment), oder IT-Spezialisten die das SEO des Unternehmens übernehmen.

Komponenten für aus zweierlei Gründen zum erfolgreichen Serien Gründen:

  1. Das Unternehmen agiert so von Beginn an professionell, da die Dienstleister in ihrem Fachgebiet Erfahrung besitzen und somit standardisierter und professioneller arbeiten, als wenn das Unternehmen die Aufgaben selbst übernehmen würde.
  2. Der Gründer hat durch die Auslagerung mehr Zeit sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren, etwa die Strategieausrichtung.

Unabhängigkeit von der Gründerperson

Apple hat ein Problem: Offensichtlich sind seine Innovationen und tollen Produkte hauptsächlich durch die Intuition, Besessenheit und den Perfektionismus von Steve Jobs  entstanden. Es ist schwierig, solche Charaktereigenschaften auf ein Unternehmen bzw. dessen Manager zu übertragen. Hier besteht eine Abhängigkeit des Unternehmens vom Gründer. Genau diese fehlt bei den Unternehmen von Serial Entrepreneurs. Sie bauen Ihre Unternehmen so auf, dass das Unternehmen nicht auf dem Wissen oder Charaktereigenschaften ihrer Gründer abhängen, sondern vom Management verstanden und fortgeführt werden kann.

Die Rolle des Entrepreneurs beachten – Steve Jobs vs. Richard Branson

Wie zu Beginn bereits angeschnitten, unterscheiden sich der klassische Unternehmer und der Serial Entrepreneur in ihren persönlichen Vorlieben zum Thema Unternehmensaufbau und Unternehmensmanagement. Steve Jobs großes Ziel war es, Apple zum wertvollsten Konzern der Welt aufzubauen und seine Zeit dieser Firma, mit den Ausnahmen bei Next und Pixer, zu widmen.

Richard Bransons Ziel ist es hingegen, seine Ideen und Konzepte umzusetzen und viele Firmen zu gründen. Managen lässt er sie von anderen, anders wäre es nicht möglich, zahlreiche Unternehmen zu gründen.

Diese Rolle muss der Serial Entrepreneur einnehmen. Er darf sich nicht zu stark in seine Ideen verlieben, muss auch mit Fehlschlägen rechnen und sich von Konzepten lösen können, muss gleichzeitig aber stark genug an eine Idee glauben, um sie umzusetzen und später an ein Management zu übergeben.

Die ersten Jahre wird er das Unternehmen managen und aufbauen müssen – bis die Strukturen des Geschäftsmodells Wirkung zeigen und er seine Person überflüssig gemacht hat. Sobald dies der Fall ist, hat er sein Ziel erreicht, kann das nächste Unternehmen gründen und das aktuelle abgeben oder verkaufen.

Wer mehr über Serial Entrepreneurship lesen möchte, kann Bernd´s Arbeit hier erwerben: Serial Entrepreneurship: Analyse und Bewertung erfolgreicher Geschäftsmodelle von Seriengründern

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Katja ist Unternehmerin und digitaler Nomade. Sie ist Co-Founder und Geschäftsführerin des Idea Camps und Gründerin von Sunny Office. Mit Sunny Office organisiert sie Coworking Events in Südeuropa für Freiberufler und Unternehmer, sowie produktive Team Events für Firmen. Idea Camp hat schon weit über 500 Startups und Gründer bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Geschäftsideen begleitet. Begonnen hat für Katja alles mit einem BWL-Studium und in der Beratung eines Konzerns. Nach 5 Jahren im großen Unternehmen entschied sie sich zu kündigen und sich komplett selbständig zu machen, um ortsunabhängig an Projekten, die mit ihren persönlichen Zielen im Einklang stehen, arbeiten zu können. Ihr Ziel ist es mit Idea Camp vielen Tausend Menschen dabei zu helfen sich erfolgreich selbständig zu machen und mit Sunny Office eine flexible, kreative und auf Sinn basierende Arbeitskultur zu fördern. Sie liebt das Meer, Sprachen, Reisen, Sport und läuft seit ein paar Jahren regelmäßig halbe oder ganze Marathons.

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