Investmentbanker oder Berater werden? – 10 Gründe es nicht zu tun

Investmentbanker oder Berater werden? – 10 Gründe es nicht zu tun

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Wall Street

Investmentbanker werden? – Nein, danke!

Ja, auch ich habe einer der „tollen“ und „elitären“ Universitäten in Deutschland studiert. Ja, auch ich habe einmal von einem Job als Investmentbanker oder Berater geträumt, von teuren Hotelzimmern, von 80 Stunden arbeiten die Woche, vom großen Geld und vom Prestige im Bekanntenkreis.

Ich habe sogar einmal ein Praktikum in einer Beratung gemacht, wurde dort ins Förderprogramm aufgenommen und hätte direkt nach dem Studium mit einem ordentlichen Gehalt dort einsteigen können.

Ich habe mich damals dagegen entschieden und würde es immer wieder tun. Trotzdem habe ich in meinem Freundes- und Bekannten viele Berater, Ex-Berater, Investment-Banker und Ex-Banker, die meine Aussagen in diesem Beitrag zum Großteil bestätigen.

Die Entscheidung damals, gegen solch einen Job,  war keinesfalls einfach mit Freunden, die alle Berater oder (Investment-)Banker wurden, wo Gehalt verglichen wurde, mit Eltern, die gerne den sicheren Job gesehen hätten und mit einem Umfeld und einer Familie, die die Entscheidung nur mit Unverständnis aufgenommen haben.

Ich habe damals eine Entscheidung ins Unbekannte treffen müssen und würde diese Entscheidung so immer wieder treffen.

Natürlich ist es jedem Selbst überlassen, was er macht, dennoch sollte jeder diese zehn Punkte unten bedenken, bevor er sich aus falschen Motiven für die falsche Karriere entscheidet.

investmentbanker werden?

Hier sind 10 Gründe, nicht Investmentbanker oder Berater zu werden

1. Wer denkt wirklich, dass man bei 80 Wochenstunden Arbeit noch ein Leben hat?

Ich würde gar nicht abstreiten, dass es Menschen gibt, die gerne 80 Stunden in der Woche arbeiten und auch ich arbeite teilweise freiwillig so viel.

Allerdings muss in dem Moment Deine Arbeit Dein Leben sein und Du musst es extrem gerne tun. Und verzeiht mir, aber wer vorgegeben bekommt was er zu tun hat, der wird in der Regel nicht seiner Leidenschaft folgen und nicht das tun, was ihm wirklich Spaß macht, sondern ist vielmehr Befehlsempfänger.

2. Nein, ihr verdient dort langfristig nicht mehr Geld!

Wer direkt nach dem Studium in einen der beiden Berufszweige einsteigt, verdient gefühlt zunächst einmal unglaublich viel Geld.

Mehr Geld, als man sonst irgendwo verdient. Doch was ist die Perspektive in einer Beratung oder Bank? Man verdient jedes Jahr ca. 5,000€ mehr – als Berater oder Investmentbanker. Vielleicht 10,000€, aber man wird immer dafür 60 Stunden die Woche arbeiten müssen und man wird niemals zu wahrem Wohlstand kommen, da man immer Wert für jemand anderen schafft. Denn eine Firma, für die Du arbeitest, verdient auch immer noch an Dir. Nur wenn Du eigene Rechnungen schreibst, kannst Du verdienen, was Du wirklich wert bist. Ein Berater oder Banker kann sich in dieser Zeit also keine Werte aufbauen. Nur wenn Du für Dich selbst Werte kreierst, kannst Du einmal reich werden. Sonst verdient immer jemand an Dir.

 3. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Du zu der Zeit wirklich Geld sparen wirst!

Ja, Du verdienst anfangs viel Geld in einer Beratung.

Allerdings explodieren in 90% der Fälle gleichzeitig die Kosten. Die meisten Personen gewöhnen sich an den Lebensstil, legen sich eine tolle Wohnung zu, gehen exklusiv feiern und geben unglaublich viel Geld aus, kaufen sie ein teures Auto und all die schönen Dinge, die sie schon immer haben wollten. Man will sich schließlich auch etwas leisten, wenn man schon so viel arbeitet. Das Problem ist, dass sie sich so sehr hohe Fixkosten aufhalsen und es danach sehr schwer ist den Beruf zu wechseln, da man mindestens die Fixkosten verdienen muss und auch den Lebensstandard nicht absenken will.

 4. Der erhoffte Traumjob danach kommt meist nicht.

Erst kürzlich berichtete mir ein Freund davon, wie einige seiner Bekannten Partner in einer der großen Beratungsfirmen wurden.

Auf die Frage, wie sie Partner wurden, kam meist die eine Antwort: „ Ich habe keinen passenden Job zum Aussteigen gefunden und bin deshalb geblieben. Das ging dann ein paar Jahre so und ich war Partner.“
Es ist wirklich verdammt schwer einen Arbeitgeber zu finden, der bereit ist ein Gehalt zu bezahlen, mit dem man zufrieden ist und der einen Job anbietet, der einem gefällt. Man ist schließlich einmal mit großen Erwartungen gestartet und möchte sich dann nicht mit weniger zufrieden geben. Leider erwartet einen häufig anschließend nicht der Traumjob, für den man angetreten ist.

 5. Viele verpassen den Absprung

Die meisten Personen machen diese Jobs unter der Prämisse, dass sie in zwei Jahren wieder draußen seien und dann etwas tun könnten was ihnen Spaß macht.

Wer möchte aber gerne zwei Jahre mit etwas verbringen, was ihm keinen Spaß macht? Außerdem wird es bei vielen mit der Zeit schwieriger aus dem Beruf auszuscheiden, da die Ansprüche steigen. Wenn ich mir schon zwei Jahre den „Arsch aufgerissen“ habe, möchte ich wenigstens anschließend belohnt werden. Dieses Gefühl wird mit jedem Jahr stärker und macht den Berufswechsel immer schwieriger.

 6. Du lernst in der Beratung oder Investmentbank nicht mehr als woanders

Ich hatte kürzlich mit einigen Freunden (Berater und Banker) eine Diskussion, über das kürzlich erschienene Buch „Die kaputte Elite“, wo aussagen wie: „Alle Berater sagen zu allem ja und Amen, sind brutal ehrgeizig und wer nach oben kommen will muss buckeln.“ Auch sei „querdenken nicht erwünscht“ und jeder sei „extrem fit mit Powerpoint“, um zu übertünchen, dass sie oftmals keine Ahnung von der Industrie haben, in der sie beraten.
Interessant war, dass alle die Einschätzung (teilweise mit minimalen Einschränkungen) bestätigten und ihre Unzufriedenheit in ihrem Job zum Ausdruck brachten.

Sie bestätigten also, dass Du in diesen Berufen Tag und Nacht am Folien optimieren bist, bis jede Kante passt, damit auch nicht die kleinste Unsicherheit auftreten kann.

Außerdem lernt man knallhart zu arbeiten bis tief in die Nacht und wird dazu erzogen, nicht zu viel nachzudenken, sondern einfach zu machen.

Mit mehr Berufserfahrung ändert sich das sicherlich ein wenig, allerdings bleibt zu überlegen, ob man sich so lange durchbeißen möchte.

7. Je länger Berater/Banker, desto schlechter selbstständig

Wie schon oben beschrieben, lebst es sich in den beiden Berufen am Besten, wenn man gut den Schein aufrecht erhalten kann, obwohl man keine Ahnung hast, wenn man risikoscheu ist und wenn man möglichst nicht den Kopf rausstreckt. Hinzu kommt noch, dass man hier nie verantwortlich ein Projekt umsetzt, sondern in der Regel schöne Konzepte entwirft, die Andere dann umsetzen sollen.

Das Problem hierbei ist allerdings, dass Risikofreude, Umsetzung und Mut essenzielle Dinge sind, wenn man selbst etwas gründen möchte. Je länger man auf diese Eigenschaften jedoch nicht zurückgreift, desto mehr verkümmern diese.
Auch das dauerhafte Entwickeln von irgendwelchen Konzepten, die man nie in die Tat umsetzt, helfen einem bei der Gründung gar nicht. Bei der Gründung geht es um das handeln und das wird einem in diesen Jobs zum Großteil ausgetrieben.

8. Deine Kollegen sind häufig keine Freunde

Neid ist etwas hässliches und tritt leider in diesen Jobs häufig auf. Jeder will nach oben kommen und das geschieht in der Regel nicht so, dass jeder fair miteinander umgeht, sondern indem jeder seine Ellbogen ausfährt. So entsteht leider häufig ein Gefühl des Wettkampfes anstatt des Miteinanders. Natürlich entstehen auch dort Freundschaften, jedoch sind diese häufig fragiler und stehen häufig auf der Kippe, wenn zum Beispiel Einer befördert wird und der Andere nicht.

So entstehen häufig keine Freundschaften fürs Leben; mal abgesehen davon, dass man eh wenig Zeit hat etwas zu gemeinsam zu machen.

 9. Familienplanung ist so undenkbar

Vielleicht steht es bei den meisten Personen in diesem Stadium noch nicht an, dennoch solltest Du diesen Punkt im Hinterkopf behalten, wenn Du Dir vorstellen kannst eine Familie zu gründen. Eine Familie, aber auch eine Beziehung, benötigt Zeit gemeinsam.

Je mehr Du allerdings reist, je mehr Du arbeitest und je mehr Du nicht zu Hause bist, desto schwerer ist es eine normale Beziehung zu führen und die Familienplanung voran zu bringen. Je länger Du in solch einem Job festhängst, desto drängender wird diese Frage werden.

 10. Denk an Deine Gesundheit

Wenn Du 60, 79, 80 Stunden arbeitest, wie viel Zeit hast Du wirklich noch für andere Dinge? Wie viel Zeit davon nimmst Du Dir fürs Schlafen, wie viel Zeit verbringst Du mit Sport, wie viel Zeit teilst Du den schönen Dingen des Lebens zu? Leider rücken bei einem Zeitproblem oftmals die wichtigen Dinge für die Seele in den Hintergrund. So berichtete mir ein Bekannter, dass im ersten Jahr in der Beratung die Meisten 5-10 Kilo zunehmen.

Außerdem gibt es diverse Studien, dass Druck einer der Faktoren ist, der das Leben am Meisten verkürzt.
Nimm Dir also Zeit für die schönen Dinge im Leben. Triff Dich mit Freunden. Mache Sport. Verreise für mehr als eine Woche und lerne ein Land wirklich kennen.

Fazit:

Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was für ihn richtig ist. Das bedeutet allerdings auch, dass die Entscheidung nicht von Freunden, Bekannten oder den Eltern beeinflusst sein sollte. Wer denkt solch ein Job mache ihm Spaß, der soll es unbedingt ausprobieren, beim wem das allerdings nicht so ist, der suche sich doch besser etwas Anderes.

Was meinst Du? 

Willst Du immer noch Investmentbanker werden? 

Bilder: snapshooter.ch und h.koppdelaney

4 KOMMENTARE

  1. Es ist allerdings ein guter Weg, um Kontakte und Geld für die Selbstständigkeit zu generieren… :). Ich denke ein grundsätzlicher Unterschied ist schon die Persönlichkeit, die man hat, wenn man gerne Investmentbanker werden möchte. Die Leute die das wollen, stehen auf den Lifestyle. Die anderen machen das gar nicht oder steigen aus.

    • Das stimmt, Lisa!

      Es gibt immer wieder Menschen, die den „Absprung“ schaffen. Dennoch gibt es auch einige, die sich jahrelang „durchquälen“. Das ist sehr schade und liegt meines Erachtens auch vor allem daran, dass an vielen Unis eben alles Richtung Investmentbank/Beratung ausgerichtet ist.

  2. Ich finde diesen Artikel super!! Danke das jemand genauso denkt wie ich! Ich habe schon sehr früh in meiner Karriere entschieden dass ich auf solche Jobs keine Lust habe und dieses System nicht unterstützen werde. Danke für den Beitrag, hast mir echt aus der Seele gesprochen!

  3. Vielen Dank für den ehrlichen Artikel. Es ist gut, dass auch mal jemand die Schattenseiten des Investmentbanker-Berufes anspricht.

    Bezüglich von die weiter genannten Berufes des „Beraters“ meinst du wohl speziell den „Managementberater“, also die Berater, die bei McK., BCG oder Roland Berger zu finden sind. Hier ist zu bedenken, dass es auch eine Menge relativ ruhiger Jobs in angrenzenden Gebieten, z.B. Rechtsberatung, einschließlich Patentanwälte, technische Beratung, Personalberatung etc. gibt. In diesen Bereichen ist man auch nicht notwendigerweise auf wenige Top-Firmen als Arbeitgeber angewiesen und kann sich auch leichter selbständig machen.

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